03 Dezember 2016

#einenscheißmussich: Lebensoptimierungsblödsinn

"10 Tipps um endlich erfolgreich zu sein" 
"1000 Gründe warum du einen Plan für dein Leben brauchst"
"DAS machst DU in deinem Leben falsch"
"SO wirst du endlich fit!"
"20 Dinge die du unbedingt BRAUCHST!"
"100 Ziele die du vor deinem 20. Lebensjahr erreichen musst!"
"55 Sachen, die auf deiner To-Do Liste stehen sollten"
"So wirst du PRODUKTIV"
"Dieser eine Weg führt endlich zu deiner inneren Mitte!"
"50 Gründe, warum du VEGAN leben musst"
"Darum erreichst du NIE das, was du willst!"
"111 Dinge, die du deinem Körper antust + 222 Gesetzte für die Gesundheit!" 
"Darum versagst du im Job und das solltest du dagegen tun!"
"14 Tipps zur richtigen Körperpflege"
"So schaffst du endlich Ordnung"
"Weniger ist mehr: So integrierst du Minimalismus in dein Leben!"
"So kommst du endlich an die dicke Kohle ran"
"10 Lebensmittel, durch die du früher stirbst!"
"So bekommst du niemals Krebs!"
...

Wisst ihr was? Ihr könnt mich mal. Ihr - diese lästigen, nervigen Artikel. Diese Ratgeber im Bücherregal. Diese "Was-auch-immer"-Gurus in den Talkshows und Interviews. Diese Fernsehdokumentationen und Blogeinträge. Ihr alle, die mir vorschreiben wollt, wie ich mein Leben verbessere und zufriedener, erfolgreicher und schöner bin. Ihr alle, die besser wisst, was richtig für mich ist, als ich selber. Und ihr alle, die mit allen Mitteln versucht, mich von eurer Meinung zu überzeugen, da es die einzig richtige ist. Aber wisst ihr was? Einen Scheiß muss ich!


31 Seiten hat es gebraucht, bis ich realisiert habe, dass ich zu viele Dinge muss und gar nicht will. Dass ich mir mit vielen Dingen Steine in den Magen lege, obwohl ich mir daraus eigentlich ein besseres Leben erhoffe. 
31 Seiten hat es gebraucht, bis ich verstanden habe, dass Sport, vegane Ernährung, Minimalismus und Meditation mir kein optimiertes Leben verschaffen, weil es mich quält! 

Also scheiß drauf. Ich geh dann halt auf den Weihnachtsmarkt, futtere mich durch alle Fressbuden durch und sinke danach erschöpft auf die Couch vor den Fernseher, anstelle sofort ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil ich von diesen Lebensmitteln ja nicht nur fett werden könnte, sondern darüber hinaus mein Krebsrisiko um 99,516% steigen könnte...

Und wo wir schon dabei sind: Dann bin ich eben chaotisch, prokrastiniere gerne und zu viel, hake nicht mal die Hälfte meiner To-Do Liste ab undbesitze viel zu viel Krempel, von dem ich mich nicht trennen will.

Einen Scheiß muss ich.
Halleluja! 

02 Dezember 2016

Glücklich-Sein

Meditieren soll glücklich machen. Ein Bad nehmen soll glücklich machen. Lesen soll glücklich machen. Sonnenschein, frische Luft und lange Spaziergänge im Wald sollen glücklich machen. Gesunde Ernährung soll glücklich machen. Sport und VIEL Bewegung soll glücklich machen. Rechtzeitig ins Bett gehen soll glücklich machen. Weniger Fernsehen gucken soll glücklich machen. Frühes Aufstehen und produktiv-sein soll glücklich machen.

Es gibt so viele Dinge, die angeblich glücklich machen sollen. Es sind so viele Dinge, dass die Woche viel zu kurz ist, um alles darin unterzubringen. Und mal davon abgesehen: Machen uns diese Dinge, nur weil sie ja glücklich machen sollen, auch Spaß?

Bei mir ist es so, dass ich viele dieser Dinge ausprobiere und versuche in meinen Alltag zu integrieren. Ich zwinge mich, mich hinzusetzten und zu meditieren, bei schönem Wetter raus zu gehen, verzichte auf Sendungen, die ich gerne sehe und schreibe Monster-To-Do-Listen - weil es ja glücklich macht.
Die Wahrheit ist, dass z.B. das Meditieren mich nicht glücklicher macht, sondern eher eine etwas lästige Lerneinheit ist. Alle befinden sich jetzt in ihrer inneren Mitte und ich würde dabei viel lieber für meine Theorie Prüfung lernen.
Und weil jetzt gerade Winter ist, bin ich wohl gezwungen bei schönem Wetter raus gehen, denn die schönen Tage werden ja jetzt immer weniger. Obwohl... Eigentlich würde ich auch ganz gerne vorm PC hocken, Videos gucken und am Blog basteln...

Ich lerne, dass Glück für mich etwas anderes ist. Glück steckt in Dingen, die mir Spaß machen. Im Fotografieren, im Bloggen, im Faul-Sein. Glück begegnet mir durch ein Lächeln auf der Straße, eine nette Konversation an der Kasse, und beim Zusammensein mit meinem Freund. Glück versteckt sich auch ein bisschen in den neuen Schuhen, im neuen Pulli und im spontan gekauftem Buch - obwohl Konsum ja absolut NICHT glücklich macht.

Fakt ist: Glück bedeutet für jeden etwas anderes. Glück ist nicht nur der eine Weg und Glück ist auch nicht das Ziel. Glück ist die Zeit, in der wir tun, was uns Spaß und Freude bereitet. Und das Glück begegnet uns jeden Tag aufs Neue, wir müssen es nur wahrnehmen und uns daran freuen.


29 November 2016

Die letzten Tage


Die letzten goldenen Sonnenstrahlen tauchen die Welt in warmes Licht. Durch die kahlen Bäume fällt das Licht und kitzelt mich im Gesicht. Der Himmel ist wolkenlos, und die Welt von hauchdünnem, glitzerndem Frost bedeckt. "Vermutlich sind dies die letzten schönen Tage des Jahres", denke ich und lächle. Diese letzten schönen Momente will ich bis zum Schluss auskosten. 

16 Oktober 2016

Schönheit

Jeden Tag siehst du, was schön ist - wer schön ist! 
Makellose Haut; langes, blondes, glänzendes Haars; dicke, geschwungene Wimpern; strahlend blaue Augen; volle rote Lippen; ein kleines Lächeln; schmale, gerade Nasen; perfekte, weiße Zähne; große Brüste in Körpchengröße C; ein flacher, trainierter Bauch; schmale Schultern; ein runder Po; lange dünne Beine; zarte Füße in Größe 37. Perfekt!

Jeden Tag siehst du, was nicht schön ist - wer nicht schön ist!
Nämlich du. Mit deinen Sommersprossen, Mitessern und Pickeln. Mit deinen Haaren, die weder lang, glänzend oder blond sind. Mit deinen kurzen Wimpern. Mit den wässrigen Augen. Den schmalen, blassen Lippen. Dem schiefen Lächeln. Mit deiner schiefen Nase und deiner Zahnlücke. Mit deinen flachen Brüsten, die gerade mal in Körpchengröße A passen. Mit deinem Bauch, der durch eine kleine Fettschicht stets schön warm gehalten wird. Mit den viel zu breiten Schultern für eine Frau. Mit deinem flachen Po. Mit deinen kurzen, etwas zu dicken Beinen und deinen Quadratlatschen. Alles andere als perfekt!

Hei! 
Du bist schön und perfekt, so wie du bist! Warum lässt du dich von Normen und Vorbildern manipulieren und dir einreden, dass du genau so aussehen musst: Langweilig und sowieso gephotoshopped?!
Schau dich einmal im Spiegel an. Du bist DU! Du bist einzigartig. Jeder kleine Makel, den du so gar nicht ausstehen kannst, liebt ein anderer an dir. Alles was du hast, hat kein anderer Mensch auf dieser Welt. 
Du musst auch niemanden gefallen.
Du musst DIR gefallen. Du musst dich wohl fühlen. In deinem Körper. 
Dabei geht es nicht darum, was andere schön finden. Was in der Gesellschaft allgemein als schön gilt. 
Es geht darum, was DU schön findest. 

Und so wie du bist, bist du perfekt. Einzigartig. 

13 Oktober 2016

Ein einfaches Hallo

Wo auch immer ich hinkomme: Angst und Vorurteile waren vor mir da. Bei Menschen, die eine andere Hautfarbe haben, etwas abgenutzt wirkende Kleidung tragen und sich in einer anderen Sprache verständigen, überlege ich, ob ich die Straßenseite wechseln sollte oder einen anderen Weg gehen sollte. Lieber vorsichtig sein. 
Wie GRAUENVOLL!
Doch man hat schon so viel schlimmes gehört. Eine Zeit lang kam es mir vor, als kämen jeden Tag neue Nachrichten über Belästigungen, Vergewaltigungen und andere grauenvolle Dinge. Bekannte von mir haben auch sehr unangenehme, unschöne Erfahrungen gemacht und auch ich habe schon etwas erlebt, das ich sehr beängstigend fand.
Deshalb habe ich mittlerweile eine andere Sicht auf diese Männer. Die drei dunkelhäutigen Männer, die eine andere Sprache sprechen, die z.B. heute im Park auf der Bank saßen. Mein erster Gedanke war: "Geh den anderen Weg."
Und dann dachte ich, wie grauenvoll und ekelerregend diese Gedanken sind. Wer gibt mir das Recht, Menschen, die ich nicht kenne, aufgrund von Hautfarbe, Sprache und Kleidung solche Dinge zu unterstellen - selbst wenn ich es unbewusst tue. Warum ist es gleich belästigend und aufdringlich, wenn jemand freundlich lächelt und hallo sagt?! 
Und so ging ich an den Männern vorbei, lächelte freundlich und sagte hallo. 
Ein schönes Gefühl. 
Vor allem, als ich weiter ging, und mir eingestehen konnte, dass meine Ängste und Vorurteile unbegründet und falsch waren. Dass die Männer einfach nur freundlich waren. 

Wir dürfen nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Oft tun wir das zwar nicht bewusst, aber tief im inneren tun wir es wahrscheinlich doch. Aber es gibt immer und überall schwarze Schafe. Menschen, die Böses im Sinn haben, gibt es  in jeder Nation, in jeder Religion und in jeder Bevölkerungsschicht. Aber ich glaube tief im Herzen daran, dass die Menschen, die Gutes im Sinn haben, in der Überzahl sind. Vielleicht müssen wir uns nur trauen, das auch deutlich zu zeigen. 

Und manchmal bewirkt auch ein schüchternes Lächeln und ein leises Hallo ein kleines Wunder.